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Was bedeutet „RAL-Montage“ beim Fenstereinbau und warum ist sie Pflicht?

14. Sept.
4 Min. Lesezeit

Der Kauf moderner Energiesparfenster gehört zu den wichtigsten Investitionen bei einem Neubau oder einer anstehenden Gebäudesanierung im Rheinland. Viele Immobilieneigentümer achten beim Vergleichen von Angeboten akribisch auf hervorragende Wärmedämmwerte der Rahmen und Scheiben. Ein exzellenter U-Wert auf dem Papier nützt im Alltag jedoch wenig, wenn der eigentliche Einbau unsachgemäß erfolgt.


Der Übergang zwischen dem Fensterrahmen und dem Mauerwerk bildet eine der empfindlichsten Schnittstellen an der gesamten Gebäudehülle. Werden hier Fehler gemacht, zieht Kälte ungehindert in die Wohnräume und es entstehen gefährliche Feuchtigkeitsschäden. Der Fachbegriff „RAL-Montage“ steht in diesem Zusammenhang für einen genau definierten Standard, der das dauerhafte Funktionieren der Bauteile sichert.


In diesem Ratgeber erfahren Sie leicht verständlich, worauf es bei der Montage nach den anerkannten Regeln der Technik ankommt. Wir erklären Ihnen die genauen bauphysikalischen Prinzipien, die gesetzlichen Hintergründe und die Risiken einer fehlerhaften Abdichtung.




Die Grundlagen der RAL-Montage und der Leitfaden zur Montage der Gütegemeinschaft


Der Begriff der RAL-Montage bezeichnet den fachgerechten Einbau von Fenstern und Außentüren nach den Vorgaben der Gütegemeinschaft Fenster, Türen und Fassaden e. V. Die genauen Richtlinien sind im sogenannten „Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren“ festgeschrieben. Dieser Leitfaden gilt in Deutschland als maßgeblicher Maßstab für die anerkannten Regeln der Technik.


Im Kern geht es darum, dass der Einbau nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten allein durch das Ausflämen der Fuge mit einfachem Bauschaum erfolgen darf. Bauschaum dient lediglich der thermischen Dämmung und Schallisolierung, besitzt aber keine abdichtenden Eigenschaften gegen Luft oder Wasser. Eine Fenstermontage nach RAL-Standard verlangt stattdessen ein durchdachtes Mehrschichtensystem.


Das Regelwerk schreibt vor, dass die Anschlussfuge über ihre gesamte Lebensdauer hinweg den auftretenden Gebäudebewegungen, Temperaturschwankungen und Windlasten standhalten muss. Die Befestigung im Mauerwerk und die Abdichtung folgen dabei exakten statischen sowie bauphysikalischen Vorgaben.


Das Drei-Ebenen-Prinzip: Innen dichter als außen erklärt


Das fundamentale Prinzip jeder normgerechten RAL-Montage lässt sich in der einfachen Grundregel „innen dichter als außen“ zusammenfassen. Dieses Prinzip verhindert, dass feuchte Luft aus dem Rauminneren in die Dämmschicht gelangt und dort kondensiert, während eventuell eingedrungene Feuchtigkeit nach außen entweichen kann. Um diese Funktion zu erfüllen, unterteilt sich die Anschlussfuge in exakt drei Ebenen.


Die innere Ebene trennt das Raumklima vom Außenklima und muss absolut luft- sowie dampfdicht ausgeführt sein. Dadurch kann die warme, feuchte Raumluft nicht in die Montagefuge vordringen. Hier kommen spezielle, überputzbare Folienbänder, dampfdichte Dichtstoffe oder spezielle Dichtbänder zum Einsatz.


Die mittlere Ebene erfüllt die Aufgabe der Wärme- und Schalldämmung. Sie füllt den Hohlraum zwischen Rahmen und Mauerwerk vollständig aus. In dieser Zone sorgen elastische Funktionsschäume oder spezielle Dämmmaterialien dafür, dass keine Kältebrücken entstehen.


Die äußere Ebene schützt die Konstruktion zuverlässig vor den Unbilden des Wetters. Sie muss extrem schlagregendicht gegen Wind und Starkregen sein, gleichzeitig aber diffusionsoffen bleiben. Das erlaubt im Profil gefangener Feuchtigkeit, nach außen hin zu verdunsten. Komprimierte Dichtbänder (Schenkelbänder) oder diffusionsoffene Folien übernehmen diese Funktion.


  • Innere Ebene: Absolute Dampf- und Luftdichtheit zum Wohnraum hin 

  • Mittlere Ebene: Lückenlose Wärme- und Schalldämmung der Anschlussfuge 

  • Äußere Ebene: Schlagregendichte, aber dampfdiffusionsoffene Wetterseite 

  • Verhinderung von Tauwasserbildung innerhalb der Isolierschicht 

  • Dauerhafte Elastizität zum Ausgleich baubedingter Dehnungen


Warum die RAL-Montage rechtlich und gesetzlich Pflicht ist


In vielen Angeboten taucht der Begriff „RAL-Montage“ als gesonderte Position auf, was bei Bauherren oft den Eindruck erweckt, es handle sich um eine optionale Zusatzleistung. Das entspricht jedoch nicht der Rechtslage im deutschen Bauwesen. Die Montage nach den Regeln des RAL-Leitfadens ist bei jedem Fenstereinbau rechtlich zwingend erforderlich.


Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt in seinen Paragrafen eindeutig vor, dass zu errichtende oder zu renovierende Gebäudehüllen dauerhaft luftundurchlässig verschlossen sein müssen. Die technische Norm DIN 4108-7 konkretisiert diese Anforderung für den Bereich der Fugenabdichtung. Da der RAL-Leitfaden genau diese DIN-Normen umsetzt, stellt der Einbau nach RAL den rechtlichen Mindeststandard dar.


Weicht ein Handwerksbetrieb ohne ausdrückliche, schriftliche Vereinbarung von diesen anerkannten Regeln der Technik ab, liegt juristisch ein Sachmangel vor. Sie als Eigentümer haben in diesem Fall einen gesetzlichen Anspruch auf Nachbesserung, selbst wenn noch kein sichtbarer Folgeschaden aufgetreten ist.


Die dramatischen Folgen einer unsachgemäßen Fenstermontage im Alt- und Neubau


Wird ein modernes Energiesparfenster lediglich mit Montageschaum eingesetzt und nicht fachgerecht nach dem Drei-Ebenen-Prinzip abgedichtet, entstehen innerhalb kurzer Zeit massive Bauschäden. Die warme Raumluft trifft in der ungeschützten Fuge auf die kalte Außenluft, wodurch der enthaltene Wasserdampf flüssig wird. Der Dämmschaum durchfeuchtet vollständig und verliert seine Dämmwirkung nachhaltig.


Durch die durchnässte Fuge kühlt die Innenwand im Bereich der Fensterlaibung extrem stark ab. An diesen nassen, kalten Oberflächen bilden sich rasch ideale Lebensbedingungen für Schimmelpilze. Die Beseitigung solch tiefsitzender Feuchtigkeitsschäden erfordert später oft das komplette Aufstemmen der Laibungen.


Zusätzlich entstehen durch die fehlende Luftdichtheit Zugerscheinungen, die den Wohnkomfort massiv beeinträchtigen. Die mühsam über teure Heizenergie erzeugte Wärme entweicht ungenutzt nach draußen. Das treibt Ihre jährlichen Heizkosten spürbar in die Höhe.


Woran Sie eine professionelle Montage nach RAL-Standard erkennen


Für Laien ist die Qualität der Fenstermontage nach dem Verputzen der Laibungen nicht mehr direkt sichtbar. Sie können die fachgerechte Ausführung jedoch bereits während der Arbeiten an Ihrer Immobilie an einigen eindeutigen Merkmalen überprüfen.


Ein professionell arbeitendes Montageteam reinigt die Maueröffnung vor dem Einbau gründlich von Staub und losem Material. Sie erkennen die RAL-Montage daran, dass vor dem Verschäumen sichtbare Folienbänder am Fensterrahmen verklebt oder spezielle, vorkomprimierte Multifunktionsdichtbänder auf den Rahmen aufgebracht werden.


Zudem achten qualifizierte Monteure auf die korrekte mechanische Verankerung des Rahmens im Mauerwerk mittels geprüfter Fensterrahmenschrauben oder Montageanker. Die Abstände der Befestigungspunkte sind genau vorgeschrieben und verhindern ein Verziehen des Profils bei Windlasten.



Häufig gestellte Fragen


Reicht normaler Bauschaum aus der Dose für eine fachgerechte Fenstermontage aus?

Nein, Bauschaum dient lediglich der Wärme- und Schalldämmung im mittleren Bereich der Fuge, bietet aber keinerlei Abdichtung gegen Luft, Raumfeuchte oder Schlagregen. Eine normgerechte Montage erfordert zwingend die zusätzliche Abdichtung der inneren und äußeren Ebene durch geeignete Folien oder Dichtbänder.

Die Material- und Arbeitskosten für eine Dreischicht-Abdichtung liegen etwas höher als bei einer veralteten, einfachen Schaummontage. Diese geringe Mehrinvestition zahlt sich jedoch durch vermiedene Bauschäden, geschütztes Mauerwerk und dauerhaft eingesparte Heizkosten extrem schnell aus.

Ja, die gesetzlichen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes und die anerkannten Regeln der Technik gelten ausnahmslos für jeden Fenstertausch, unabhängig vom Baujahr des Gebäudes. Bei unebenem Altbaumauerwerk muss vor dem Einbau ein Glattstrich aufgetragen werden, damit die Dichtbänder sauber haften.

Ein Einbau ohne die Einhaltung des Drei-Ebenen-Prinzips stellt einen rechtlichen Sachmangel dar, da die anerkannten Regeln der Technik nicht eingehalten wurden. Sie sollten die Abnahme verweigern und den Betrieb schriftlich unter Fristsetzung zur kostenfreien Nachbesserung auffordern.





 
 
 

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